Warum die AfD keine Alternative ist.

Ich bin Handwerker. Auch darum schreibe ich hier, weil ich Handwerker bin, weil m.E. viel zu wenige Nichtakademiker an der öffentlichen Diskussion, an der Meinungsbildung beteiligt sind. Aber zuallererst schreibe ich, wegen dieser blödsinnigen AfD. Weil dieser Bande so viele in bestem Glauben auf den Leim gehen, einer Partei die ihre Wähler mit primitivster Emotionalisierung mobilisiert und letztlich nur gnadenlos verhöhnt. Es ist das selbe Muster wie seit Menschengedenken, eine gierige, skrupellose Bande zieht den Gutgläubigen das Fell über die Ohren, um sich die eigenen Taschen zu füllen.
Und es funktioniert noch immer - unfassbar. Wie kann es sein, dass dieses Gesindel nicht einfach ausgelacht und vom Hof gejagt wird?

Information wäre vielleicht vorrangig zu nennen, mangelhafte Information. Aber klingt das in Zeiten kaum mehr zu bewältigender Informationsflut nicht geradezu paradox? Wer will das ganze Zeug noch hören, wer hat überhaupt die Zeit dafür? Und werden wir nicht sowieso nach Strich und Faden belogen?
Nach nur zwei Sätzen scheinen wir zur Resignation bereit. Scheinbar.
Punkt 1: Zeit
Niemand, niemand aus den Reihen derer die Nutzen aus den bestehenden Verhältnissen ziehen, wird ein Interesse daran haben, den Menschen Zeit zu geben, sich zu informieren. Niemand wird sich für ein solches Anliegen einsetzen. Im Gegenteil, Arbeitszeitverlängerung, zunehmender Arbeitsdruck sind allerbeste Rahmenbedingungen für fortbestehenden Informationsmangel, sei die Menge an Informationen noch so gewaltig.
Punkt 2: Wahrheit
'Lügenpresse', das Wort ist längst in aller Munde. Dabei halte ich schon den Begriff an sich für irreführend. Die Presse braucht Auflage, Quote nennt sich das heute, alle schielen nach Quote. Die Kapitalgeber verlangen Rendite. Ohne Rendite kein Kapital. 'Bad news are good news' heißt die Zauberformel, nicht die Lüge ist der Motor sondern größtmögliche Aufmerksamkeit. Je kapitaler das Verbrechen, je reißerischer die Schlagzeile, je brutaler die Bilder - desto höher die Auflage. Der Wahrheit ist uninteressant. Qualität wäre ohnehin der wesentlich besere Begriff in diesem Zusammenhang, Wahrheit entsteht bekanntlich erst zu zweit und manchmal hat die Wahrheit sogar mehrere Gesichter, vielleicht dazu später mehr. Aber über Qualität von Information läßt sich einwandfrei reden und muß geredet werden.
Das allererste und entscheidende Merkmal für die Qulität einer Information ist deren Differenziertheit und deren Aufrichtigkeit, Meinungsfreiheit vorausgesetzt. Damit meine ich Verweise auf das Pro und Contra. Dass abweichende Ansichten und Meinungen weder verschwiegen noch diffamiert werden - sondern dargestellt. Das findet sich heute kaum. Eine qualitativ hochwertige Information ermöglicht dem Interessenten sich seine eigene Meinung zu bilden. Das erwarte ich mir von öffentlich-rechtlichen Organen. Das funktioniert freilich nicht, wenn diese Organe nach Parteiproporz besetzt werden, Parteien haben dort keinerlei Einfluss zu nehmen. Meinetwegen kann an dieser Stelle auch Demokratieförderung in den Schulen gefordert werden, aber dem Thema Schule bin ich hier gar nicht gewachsen, das will ich erst mal gar nicht anschneiden.
Nochmal zurück zu den Medien. Es gibt momentan massenhaft Beiträge und Diskussionen zur AfD und meistens wird dann über Obergrenzen, Grenzsicherung, Grenzen der Belastbarkeit und am Ende noch über Ängste der Bevölkerung palavert. Dass die AfD sämtliche Steuerabkommen mit anderen Ländern kündigen und den Ankauf von Steuer-CD's unter Starfe stellen möchte findet in diesen Veranstaltungen keinerlei Erwähnung. Ich bin mir sicher, dass den Meisten klar wäre, was von einer solchen Partei zu erwarten ist, nämlich Ausbeutung, Steuervermeidung, Korruption, alles was zur rasanten Verarmung einer Gesellschaft führt - so eine Partei ist nur für hartgesottene Zyniker wählbar. Dennoch wird nur von Überfremdung geschwafelt. Das ist pure, quotengesteuerte Desinformation. Hätten wir hier mehr Qualitätsjournalismus hätten wir wesentlich weniger AfD-Anhänger.

Allerdings noch immer keine besseren Parteien. Es ist schon wahr, man kann sie kaum mehr wählen, die wirbellose Bande eigennütziger Selbstdarsteller. Nur hilft das Auswechseln von Personen rein gar nichts, die werden so. Was lässt sich da machen, lässt sich da überhaupt was machen?
Wir haben eine repräsentative Demokratie, naja, eine repräsentative Parteiendemokratie. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Die Idee dahinter ist, dass sich der Wähler an einem Parteiprogramm orientieren kann um sich dann darauf zu verlassen, dass die der Partei zugehörigen Politiker dieses Programm vertreten. Das ist das System und die Systemfrage stelle ich jetzt gar nicht, zum Einen, weil ohne Zweifel jedes System Vor- und Nachteile mit sich bringt und zum Anderen, weil ich für solche Fragen keinerlei Kompetenz vorzuweisen habe und eine solche Diskussion obendrein für müsig halte. Trotzdem darf und muss ich mir selbstverständlich Gedanken darüber machen, unter welchen Umständen ich evtl. etwas mehr Vertrauen in meine Repräsentanten haben könnte. Z. B. denke ich, dass wir als Souverän bestimmte Forderungen an unsere Parteien stellen dürfen. Schließlich übertragen wir letztendlich enorm viele Komptenzen an die Inhaber der Listenplätze dieser Parteien. Da wäre ich schon etwas erleichtert, wenn die Parteien einen rechtswirksamen Sanktionskatalog für Fehlverhalten vorweisen könnten, inkl. Parteiausschluss und Privathaftung im Wiederholungsfall. Irgend sowas wie 'wer betrügt fliegt', so was ähnliches liegt ja schon in der Schublade, wenn ich mich recht erinnere. Wird Zeit das umzusetzen. Die Parteienfinanzierung nacht mir auch Bauchschmerzen, nicht nur des notorisch schlechten Erinnerungsvermögen von Finanzministern. Ich frage mich, ob es nicht wesentlich klüger wäre ein bißchen Geld in die Hand zu nehmen und die Leute aus Steuermitteln zu bezahlen. Nicht nur keine Spenden, sondern direkter Parteienausschluß im Falle derartiger Sach- oder geldwertiger Bezüge. Natürlich hätte das einen gewissen Schwund im Führungspersonal zur Folge, aber ich bin mir sicher, die verbliebenen würden weniger Schaden anrichten.
Ich sehe noch einen Vorteil, Stichwort repräsentative Demokratie. Das ist ja eine tolle Idee, Alleinerziehende, Hartzer, FließbandarbeiterInnen, alles vertreten. Dann würden unsere Politiker nicht mehr so schwachsinnige Sätze wie: 'wir müssen wieder lernen, den Menschen draußen zuzuhören' absondern, es wären ganz einfach Menschen, ach wie schön, und bitte nach zwei Legislaturperioden Feierabend, Resozialisierung, dann könnte man sich vielleicht sogar mal beim Ex-Minister auf ein Bier in der Eckkneipe, gerne auch zur Ex-Ministerin auf einen Kaffee treffen.

Und wenn ich schon mal bei den Wünschen bin, ich hab da noch mehr.
Selbstverständlich wünsche ich mir eine florierende Marktwirtschaft. Vielfalt steht als Motto obenan. Und ich seh da keine Platz für monopolartige Konzernstrukturen, jedenfalls nicht so wie wir das momentan erleben. Mein Favorit ist eine maximal erlaubte Größe für Unternehmen, bei deren Überschreitung sie in zwei selbständige, konkurierende Teile aufgespalten werden. Als Vorbild denke ich an den Bienenschwarm, weil ich glaube, dass keineswegs nur Ingenieure von der Natur lernen können (und die tun das begierig, weil sie verstanden haben, dass hier die weitaus klügsten und effektivsten Lösungen zu finden sind), sondern auch den Ökonomen ein Blick auf die Natur nicht schaden würde. Die Natur kennt aus gutem Grund keinen beliebig großen Organismus. Nehmen wir uns das zu Herzen und ermöglichen so eine soziale Marktwirtschaft, in der 'too big to faile' gar nicht stattfinden kann, wo die Frage astronomischer Gehälter gar nicht erst entsteht und die ihrem Namen wieder zur Ehre gereicht.
Und selbstredend jeder seiner leistungsfähigkeit entsprechend Steuern bezahlt, weil Steuern die Basis für eine funktionierende Gesellschaft sind. Kurz und bündigt beschreibt das einen demokratiekonformen Markt, wo der Sozialstaat kein Aslaufmodell, sondern diese Form der Solidargemeinschaft die höchstentwickelte Form menschlchen Zusammenlebens darstellt, was überhaupt einzig und allein als Fortschritt bezeichnet werden kann. Grundgütiger, was muss man den Politikern alles sagen.

Und wie das bezahlt werden soll ist doch völlig klar, das steht da schon: jeder bezahlt seiner Leistungsfähigkeit entsprechend Steuern. Das ist doch gar keine Frage. Das ist eine Selbstverständlichkeit, neudeutsch ein Wohlfühlfaktor, überhaupt der Wohlfühlfaktor. Ich will ein Produktlabel, das exakt Aufschluss gibt über bezahlte Steuern, Sozialleistungen, Arbeitszeiten, Betriebsklima von der Belegschaft beurteilt usw. und wenn dann noch ein Umweltlabel drauf pappt solls mir recht sein.
Umweltschutz ist eine super Sache, aber das bedeutet doch nur den Erhalt einer für Menschen bewohnbaren Atmosphäre, es geht um den Menschen, die Natur braucht uns nicht. Wir brauchen sie und wir brauchen Lebensqualität, damit wir uns entfalten und zum Erhalt unserer Gesundheit. Nochmal für die 'wer soll denn das bezahlen Fraktion': die ganze Produktivitätssteigerung hat nur einen Sinn, wenn sie zur Steigerung der Lebensqualität führt, darüber hinaus gibt es keinen Sinn, alles andere ist sinnloser Unsinn. Politiker die sich auf die Verwaltung des Status Quo beschränken, ohne Mut und Willen zur Gestaltung tun sich natürlich schwer damit. Und natürlich denken wir in Zeiten der Globalisierung global. Grundgütiger, was muss man den Politikern alles sagen. Und übrigens, wenn die AfD das mit trägt, auch gut, es geht hier schließlich nicht um Namen, sondern um Inhalte.

Aber um Inhalte geht es in den, neuerdings fast täglichen Diskussionsrunden so gut wie nie. Immer und immer wieder werden die gleichen Themen möglichst hitzig aufgebauscht, Überfremdung, Obergrenzen, Islamisierung, usw. die Lieblingsthemen der AfD. Es ist unverkennbar, die AfD längst zum Lieblingsthema der Medien geworden. Emotion garantiert - Quote garantiert.
Eigentlich trollig, ich betreibe Medienschelte, befinde mich sozusagen Seite an Seite mit dem AfD-nahen Wutbürger. Zack rein in die Schublade, Deckel zu, der Nächste. So etwa funktioniert das heutzutage. Dass der Ruf 'Lügenpresse' lediglich dazu dient jede andere Meinung als die eigene zu diffamieren und meine Kritik genau das Gegenteil einfordert, nämlich möglichst neutrale Differenzierung, interessiert schon nicht mehr, langweilig, laber, laber, laber. Die Trash-Dauerberieselung hat ganze Arbeit geleistet. Es schert mich nicht. Weiter geht's.

Der Stärkere übernehme Verantwortung für den Schwächeren. Ein einfacher Satz, fast schon medienkonform. Weil da natürlich noch viel fehlt, das muss diskutiert werden. Nicht zur Diskussion steht die Unantastbarkeit der Würde, der Persönlichkeit des Einzelnen und sei er noch so schwach und hilfsbedürftig. Von Unterwerfung kann nicht die Rede sein, von Respekt und Achtung um so mehr. Grundgütiger, muss das wirklich gesagt werden? Heutzutage?


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